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Die Villa Hartungen, das Haus der Philosophischen Praxis im Südtiroler Ultental, wo wir tagen.
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Die Villa Hartungen, das Haus der Philosophischen Praxis im Südtiroler Ultental, wo wir tagen.

Die Gesellschaft für Philosophische Praxis GPP
lädt ein zum

          „Studienkurs Philosophische Praxis”

Das Thema:


Die Religion philosophisch denken ‒‒ das heißt: ohne fromme Folgsamkeit


Eine Woche im „Haus der Philosophischen Praxis”,
der Villa Hartungen im Südtiroler Ultental bei Meran

Samstag, 6.06.2026, bis Samstag, 13.06.2026


          Gesamtleitung:
          Dr. Gerd B. Achenbach

Müßte ich die Veranstaltung im Tonfall ordentlich-seriöser Seminarphilosophie ankündigen, die Überschrift für die Woche hieße dann wohl: „Einführungen in die Religionsphilosophie” beziehungsweise „Einführung in die Philosophie der Religion”.

Doch dem Einspruch Friedrich Hebbels Folge zu leisten: „Ergründe die Welt, und nicht die Bücher” ‒ soll es eben nicht nach der Gepflogenheit der Bücherwürmer darum gehen, mündlich noch einmal von sich zu geben, was zuvor gedruckt gelesen wurde. Vor allem: wie oft ist es Unverdautes, was man da zu hören bekommt. Dennoch: Auch wir werden selbstverständlich überlieferte Anregungen aufnehmen, über Religion und Religionen im Plural nachzudenken, äußerstenfalls sogar über „die” Religion.

Hier dazu sogleich eine Literaturempfehlung: Unter dem Titel „Glaube und Vernunft” hat Norbert Hoerster bei Reclam (Nr. 8059) „Texte zur Religionsphilosophie” herausgegeben, eine klug und kundig zusammengestellte Sammlung einschlägiger Texte.

Tatsächlich aber wäre in Glaubensangelegenheiten unverzeihlicher Naivität überführt, wer sich diesem hoch sensiblen Thema gewachsen wähnte, ohne sich zuvor mit unserer historischen Situation vertraut gemacht zu haben, in der die Religion und alles, was mit ihr zusammenhängt, jegliche Selbstverständlichkeit verloren, besser wohl: „eingebüßt” hat. Nicht wenige entwickeln inzwischen Peinlichkeitsempfindungen, wenn von „der” Religion oder Religionen überhaupt die Rede ist.

Also wird zuerst die speziell neuzeitliche Geschichte des Atheismus Thema sein ‒ ein religionsphilosophisches Thema ohnehin. Etwa: Hat womöglich die christliche Hochreligion der Abwendung von den religiösen Überlieferungen und Kulten unerkannt Vorschub geleistet? Ist der „Deismus” der rationalen Philosophien womöglich die wirkmächtige Vorstufe jener Entwicklung, die am Ende zur Profanisierung des Himmels führte? Oder war es etwa Gott selbst - wie Kierkegaard im Tonfall giftiger Spöttelei erwogen hat -, der die Religion entzauberte, indem er so leichtsinnig war, sich seines Geheimnisses zu berauben, da er sich im Sohn „offenbarte”?

Außerdem ‒ um den philosophisch nobilitierten Begriff für den gewöhnlichen Gottesverlust zu bemühen ‒ wird vom Nihilismus die Rede sein müssen. Nietzsche: „Der Nihilismus steht vor der Tür: woher kommt uns dieser unheimlichste aller Gäste?” Nur steht er nicht mehr „draußen vor der Tür” wie in den Tagen Nietzsches, sondern längst hat er sich in allen Etagen breit gemacht ‒ nunmehr als der herrschende Zynismus. Auch dies ein abgründiges religionsphilosophisches Thema ...

Wer, welcher Geist herrscht denn da, wo der Zynismus mit allem „fertig und durch ist”? Und ist die Stelle Gottes tatsächlich vakant? Oder ist sie längst von anderem Personal besetzt?

In diesem Zusammenhang werden wir einige staunenerregende Erwägungen des Philosophen Schelling hören, der zwischen dem „wahren” und dem „wirklichen” Gott zu unterscheiden wußte. Also müßte es „mit dem Teufel zugehen”, wollten wir aus der religionsphilosophischen Reflexion jenen Anderen außen vor lassen. Baudelaire wußte Bescheid ‒ und der kannte sich wahrhaftig aus: „Die schönste List des Teufels ist, daß er uns überzeugt, er existiere nicht.” Im Seminar hören wir dazu Ernst Blochs späten Vortrag „Aufklärung und Teufelsglaube”, ein altersweiser Geniestreich ...

Doch auch an „unterrichtsförmlichen” Einheiten soll es nicht fehlen. So werden wir von den Intentionen Kants erfahren, über die „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft” nachzudenken und was Hegel in seinen Vorlesungen zur „Philosophie der Religion” dem Christentum zudachte.

Von besonderem Reiz freilich ist die Polemik, mit der Lessing über den Hamburger Hauptpastor Goetze herfuhr. Seine bis heute maßgebliche Unterscheidung von „Geist und Buchstabe” verpackt er in die listige Frage an den Kirchenamtsmann: „So wird niemand gesund, als wer die Arznei mitsamt der Schachtel verschlingt?” Und was ist in der Religion nicht alles „Verpackung” ...!

Nicht gerade zur „Kür”, wohl aber zur „Pflicht” dürfte es gehören, sich im Rahmen unseres Seminars die allgegenwärtigen Formen religiöser Verwahrlosung anzusehen: Was sich da an Do-It-Yourself-, Bastel- und Wellness-Religionen tummelt, Meditation und Joggen als neue Gebetspraktiken, die feierliche Inbrunst der Gesundheitsverkünder, die das Heil in der korrekten Ernährung fanden, von der unübersichtlichen Fülle esoterischer Sonderwege einmal abgesehen ‒ da ist kein Ende ...

Doch das alles führte uns auf die Spuren der gewöhnlichen Kulturkritik, mit der wir uns nicht aufhalten sollten. Wohl aber wird die Frage sein: Wie ergeht es den religiös Abstinenten? Wie den „religiös Unmusikalischen”?

Und umgekehrt: Was bleibt den religiös Empfänglichen, wenn die Kirchen selbst dogmatische Last abwerfen und sich dem Tagesgeist anempfehlen?

In diesem Zusammenhang werden wir die Einsprüche des Martin Mosebach („Häresie der Formlosigkeit”) zu Wort kommen lassen und uns von den Aphorismen des gegenwärtig wohl wichtigsten Außenseiters, Modernitätsverweigerers und Glaubensbekenners herausfordern lassen: von Nicolás Gómez Dávila. Wenn schon vom Glauben die Rede ist, sollte man auch den Mut aufbringen, sich einem zu stellen, der sich mit der Tollheit eines Narren Gottes zu Wort meldet und unter den Anfälligen unter den Intellektuellen unserer Zeit dafür Respekt und Aufmerksamkeit findet.

Ein paar Dávila-Kostproben? „Was nicht religiös ist, ist nicht interessant.” Oder: „Wenn wir an Gott glauben, dürfen wir nicht sagen: Ich glaube an Gott. Sondern: Gott glaubt an mich.” Oder: „Wenn die religiöse Flut sinkt, breitet sich der Gestank der Seelen aus.”

Wobei ich es nicht unterlassen kann, Dávila auch noch als Weggefährten Philosophischer Praxis auszuloben: „Die kranke Seele gesundet nicht, indem sie ihre armseligen Konflikte bearbeitet, sondern indem sie sich in edle Konflikte stürzt.” Soviel dazu.

Zuletzt: Ich möchte einige der gegenwärtig religiös Hellwachen oder religiös Verunsicherten vorstellen, wozu Peter Sloterdijk zu rechnen ist ‒ seine letzten Werke umkreisen allesamt, was uns beschäftigt ‒, selbstverständlich Jürgen Habermas sowie seit eh und je schon Robert Spaemann.

Zuletzt: Die womöglich ultimative Herausforderung für ein avanciertes religionsphilosophisches Denken dürfte Samuel Becketts Zweiakter „Warten auf Godot” sein, an dessen ‒ Becketts genaue Regieanweisungen berücksichtigender ‒ Interpretation sich möglicherweise final erweisen wird, welche Verständnishorizonte uns die Ultner Seminarwoche zu erschließen vermochte.

Die Teilnehmer bekommen wie immer vor Beginn des Seminars Textauszüge als Arbeitsgrundlage.

Diese Veranstaltung setzt den „Studienkurs Philosophische Praxis” fort, der in zurückliegenden drei Jahren mit den bedeutenden Philosophen und ihrem Denken bekanntgemacht hat.
Nun werden nach und nach einzelne Großthemen der Philosophie vorgestellt. Eröffnet hatten wir im vergangenen Jahr mit der Philosophie des Politischen. Diesmal also die Philosophie der Religion. Andere werden - in Jahresabständen - folgen, und dann wieder als Wochenveranstaltungen im „Haus der Philosophischen Praxis” bei uns im Südtiroler Ultental.

Die Teilnahme steht allen Interessierten offen.

Alles "Technische", Anfahrt, was wir sonst unternehmen, Kosten usw. und das Anmeldeblatt siehe hier

 




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Die Religion philosophisch denken ... d.h. ohne fromme Folgsamkeit

      Vom 6. bis 13. Juni 2026

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1981 in Gießen bei Odo Marquard zum Thema „›Selbstverwirklichung‹ oder ›Die Lust und die Notwendigkeit‹. Amplifikation eines Hegelschen Kapitels aus der ›Phänomenologie des Geistes‹” abgelegt, ist ab jetzt hier im pdf-Format  nachzulesen.

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