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4. Block: Literatur - Bedachtes Leben - Philosophische Praxis



20. - 26. Sept. 2008



Eine Woche im "Jakob-Kaiser-Haus"  in Weimar

Programm



Die Philosophische Praxis lebt nicht von der Philosophie allein, sondern mindestens ebenso vom Erbe großer Literatur. Was lag also näher, wenn wir eine Woche lang in Weimar waren, als uns dieser Beziehung von Literatur und praktischer Philosophie zu widmen?

Zum einen hatte ich empfohlen, in „dem besten deutschen Buche, das es gibt” (so Nietzsches Urteil), zu lesen: in Eckermanns „Gesprächen mit Goethe”. Zur Ergänzung: Die „Maximen und Reflexionen” Goethes - ein Vermächtnis kluger Beobachtungen und Denkanregungen, wie sie zur Unterstützung in den Beratungen nicht willkommener sein könnten.

Einige der Gespräche mit Eckermann haben wir als exemplarische philosophische Beratungen lesen und davon viel lernen können.

Inwiefern uns ein Mann wie Goethe - anders als der offiziellen, seminarüblichen Philosophie - als Sonder- und Ausnahme-Philosoph gelten kann - und mehr noch: als vorzüglicher Gewährsmann für ein „bedachtes Leben”, machte auch ein Vortrag deutlich, der allen zur Lektüre empfohlen war: Joachim Fest, „Goethes Fremdheit und Nähe. Eine Rede in Weimar”, in dem soeben von ihm erschienenen Buch „Flüchtige Grösse. Gesammelte Essays über Literatur und Kunst” (Rowohlt Aug. 2008).

Im Mittelpunkt aber stand die sehr sorgfältige Interpretation des Roman „Die Wahlverwandtschaften”, den alle gelesen hatten. Denn im Blick auf diesen Roman konnte ich demonstrieren, welche Förderung die Philosophische Praxis beispielsweise im Gespräch, in dem es um Ehe- und Partnerschaftsprobleme geht, durch ein solches Literaturwerk erfährt.

Das Thema „Literatur und Philosophie” beziehungsweise „Philosophie in der Literatur” sollte außerdem im Blick auf jenen Schriftsteller erörtert werden, den man wohl den Vorzugsautor der Philosophen nennen darf: Johann Peter Hebel. Die Belehrung - oft auch die heilsame Irritation oder der Witz, der Denkroutinen sabotiert -, die dieser Welt- und Menschenkenner für seine Leser bereithält, sind für uns in der Philosophischen Praxis ggf. von unschätzbarem Wert. Leider ist die Beschäftigung mit Hebel allerdings (aus Zeitnot) etwas zu kurz gekommen ...

Natürlich hat uns neben dem Olympier auch der philosophisch ganz unzweifelhaft involvierte Schiller beschäftigt. (Die Briefe zur ästhetischen Erziehung.) Leseempfehlung dazu war: Rüdiger Safranskis „Schiller oder: Die Erfindung des deutschen Idealismus”.

Die Woche in Weimar hat sich auf das beste an die Erinnerungen an Seneca im August angeschlossen.
 




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