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Die Französischen Moralisten



Programm des 11. Blocks des Weiterbildungsseminars zur Philosophischen Praxis

Termin: 14. bis 16. Dezember 2007


Das Wochenende begann - wie gehabt für die, die bereits am Freitag zum Freitag-Vortrag anreisen konnten - mit einer Abend-Veranstaltung, die ins Thema des Wochenendes einführte: Auf dem Programm standen die "französischen Moralisten", die (unentschuldbar eigentlich im Blick auf die Interessen der Philosophischen Praxis) auf unseren Streifzügen durch die Geschichte des Denkens bisher übergangen worden waren. Aber wo hätte sich Menschenkenntnis (die der philosophische Praktiker benötigt wie weniges sonst) gekonnter zum Ausdruck gebracht als bei diesen Franzosen? Das Nähere dazu siehe jetzt hier.

Ansonsten war dieses Dezember-Wochenende hauptsächlich einem Denker und einigen seiner Vorläufer gewidmet: Ludwig Wittgenstein nämlich. Zumal dem „späten” Wittgenstein, dem die Philosophische Praxis unverzichtbare Anregungen und Winke verdankt. Wir hatten die Gelegenheit, einzelne „Gedanken”, die bei Wittgenstein ihre konzentrierteste Form gefunden haben, ausführlich für die Praxis zu amplifizieren.

Und außerdem sind "Vorläufer-Gedanken" - nämlich Pascals - dazugesellt worden.

Um hier nur anzudeuten, an Gedanken welchen Schlages - die dann mit den Erfahrungen aus der Philosophischen Praxis bereichert wurden - im Blick auf Wittgenstein gedacht war, hier einige wenige Zitate:

„Eine Beichte muß ein Teil des neuen Lebens sein.”

„Ein philosophisches Problem hat die Form: ›Ich kenne mich nicht aus.‹”

„Mein Ideal ist eine gewisse Kühle. Ein Tempel, der den Leidenschaften als Umgebung dient, ohne in sie hineinzureden.”

„Frieden in den Gedanken. Das ist das ersehnte Ziel dessen, der philosophiert.”

„Die Arbeit an der Philosophie ist ... eigentlich mehr die Arbeit an Einem selbst. An der eignen Auffassung. Daran, wie man die Dinge sieht. (Und was man von ihnen verlangt.)”

„Der Zweck der Philosophie ist die logische Klärung der Gedanken. Die Philosophie ist keine Lehre, sondern eine Tätigkeit. Ein philosophisches Werk besteht wesentlich aus Erläuterungen. Das Resultat der Philosophie sind nicht „philosophische Sätze”, sondern das Klarwerden von Sätzen.”

„Wer heute Philosophie lehrt, gibt dem Andern Speisen, nicht, weil sie ihm schmecken, sondern um seinen Geschmack zu ändern.”

„Ich soll nur der Spiegel sein, in welchem mein Leser* sein eigenes Denken mit allen seinen Unförmigkeiten sieht, und mit dieser Hilfe zurecht richten kann.”

* Für „mein Leser” dürfen wir „unser Besucher, der Gast in der Philosophischen Praxis” einsetzten.

1939 kam es beinahe zum Bruch mit dem Freund und Schüler Malcolm. Wittgenstein dazu:
„Damals dachte ich: Was nutzt das ganze Philosophiestudium, wenn für Sie nichts dabei herauskommt als die Fähigkeit, halbwegs überzeugend über irgendeine abstruse Frage der Logik etc. zu reden, und wenn es Ihre Denkweise über die wichtigen Fragen des Alltags nicht verbessert, wenn es Sie beim Benutzen so gefährlicher Ausdrücke nicht gewissenhafter werden läßt als irgendeinen ... Journalisten, der sie verwendet, wie er sie gerade braucht? Wissen Sie, es ist mir klar, daß es schwierig ist, richtig über ‚Gewißheit’, ‚Wahrscheinlichkeit’, ‚Wahrnehmung’ usw. nachzudenken. Aber es ist womöglich noch schwerer, wirklich ehrlich über Ihr Leben oder das anderer Leute nachzudenken oder zu versuchen nachzudenken. Und das Unglück ist, daß das Nachdenken über diese Dinge nicht spannend ist, sondern oft geradezu ekelhaft. Und wenn es ekelhaft ist, ist es am wichtigsten.” (Malcolm hatte eine beiläufige Bemerkung über den englischen „Nationalcharakter” gemacht ...)

Recht ausführlich haben wir das folgende Diktum Wittgensteins meditiert:

„Wenn der Selbstmord erlaubt ist, dann ist alles erlaubt. Wenn etwas nicht erlaubt ist, dann ist der Selbstmord nicht erlaubt. Dies wirft ein Licht auf das Wesen der Ethik. Denn der Selbstmord ist sozusagen die elementare Sünde. Und wenn man ihn untersucht, so ist es, wie wenn man den Quecksilberdampf untersucht, um das Wesen der Dämpfe zu erfassen. Oder ist nicht auch der Selbstmord an sich weder gut noch böse!”

Zwei Beispiele für Aphorismen Pascals (aus den „Pensées”):

„Wovon man auch immer jemand überzeugen wolle - man muß Rücksicht nehmen auf die Person, die man überzeugen will; man muß ihren Geist und ihr Herz kennen; man muß wissen, zu welchen Prinzipien sie sich bekennt und was sie liebt; und schließlich muß man bei der Sache, um die es sich handelt, im Auge behalten, welche Beziehung sie zu den bereits anerkannten Prinzipien oder zu den Gegenständen hat, die durch die Reize, die man ihnen zuschreibt, kostbar werden.”

„Man überzeugt sich im allgemeinen besser durch Gründe, die man selber gefunden hat, als durch die, die andern eingefallen sind.”


Und noch einmal einen Gedanken Pascals, der bereits in einer früheren Sitzung Mitsprache erhielt:

„Wenn man mit Erfolg entgegnen und einem anderen aufzeigen will, daß er sich irrt, muß man darauf achten, von welcher Seite er die Sache ansieht. Denn von hier aus gesehen, ist sie meist wahr; und diese Wahrheit muß man ihm zugeben, ihm dann aber die Seite aufzeigen, von wo aus sie falsch ist. Damit wird er zufrieden sein, denn er sieht, daß er sich nicht täuschte, daß er nur versäumte, sie von allen Seiten zu sehen.”


Literatur-Empfehlung zu Wittgenstein: Der Diederichs-Verlag hat in der von P. Sloterdijk herausgegebenen Reihe "Philosophie jetzt!" den Band Wittgenstein, ausgewählt und vorgestellt von Thomas H. Macho herausgebracht, der zur Lektüre empfohlen wurde.
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Zum Ablauf:

Wie immer begann das Wochenende für die einen am Freitag Abend, für die anderen am Samstag um 10:45 Uhr.

Am Sonntag ging es um 9:30 Uhr wieder weiter (u.a. mit einer "Übung": Einige "Kollisionen der Liebe", die in der ZEIT kürzlich veröffentlicht worden waren, wurden gemeinsam analysiert und die praktische philosophische Beantwortung vorbereitet.
 




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