Philosophische Praxis Gerd B. Achenbach [www.achenbach-pp.de]
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5. Treffen [Philosophische Praxis Gerd B. Achenbach] || nach oben springen || Startseite Achenbach-PP.de

Hier das Programm des 5. Blocks, 9./10. Dezember 2006, in Bergisch Gladbach, Hermann-Löns-Str. 56 b, im Seminarraum der GPP und „im sonstigen Haus”:

Für einige Teilnehmer begann das Weiterbildungs-Wochenende bereits am Freitag mit der Abendveranstaltung, die ich eigens so ausgewählt hatte, daß sie im Zusammenhang mit dem Ausbildungs-Wochenende steht. „Die Bekenntnisse einer schönen Seele”, das 6. Buch von „Wilhelm Meisters Lehrjahren” hatte ich natürlich ausgesucht, weil im Hegel-Text „die schöne Seele” eine gewichtige Rolle spielt.
Der Text enthält Passagen, die dem philosophischen Praktiker besonders zu denken geben (womit ich meine: eben auch Passagen „am Rande”, die gar nicht die Bedeutung der „schönen Seele” tangieren). Ich will hier knapp eine solche Stelle anführen. Der „Oheim” in den Bekenntnissen läßt sich folgendermaßen hören (und spricht natürlich seinem Autor aus der Seele):

»Was es auch sei«, versetzte er, »der Verstand oder die Empfindung, das uns eins für das andere hingeben, eins vor dem andern wählen heißt, so ist Entschiedenheit und Folge nach meiner Meinung das Verehrungswürdigste am Menschen. Man kann die Ware und das Geld nicht zugleich haben; und der ist ebenso übel dran, dem es immer nach der Ware gelüstet, ohne daß er das Herz hat, das Geld hinzugeben, als der, den der Kauf reut, wenn er die Ware in Händen hat.
Aber ich bin weit entfernt, die Menschen deshalb zu tadeln; denn sie sind eigentlich nicht schuld, sondern die verwickelte Lage, in der sie sich befinden und in der sie sich nicht zu regieren wissen. So werden Sie zum Beispiel im Durchschnitt weniger üble Wirte auf dem Lande als in den Städten finden, und wieder in kleinen Städten weniger als in großen; und warum? Der Mensch ist zu einer beschränkten Lage geboren; einfache, nahe, bestimmte Zwecke vermag er einzusehen, und er gewöhnt sich, die Mittel zu benutzen, die ihm gleich zur Hand sind; sobald er aber ins Weite kommt, weiß er weder, was er will, noch was er soll, und es ist ganz einerlei, ob er durch die Menge der Gegenstände zerstreut oder ob er durch die Höhe und Würde derselben außer sich gesetzt werde. Es ist immer sein Unglück, wenn er veranlaßt wird, nach etwas zu streben, mit dem er sich durch eine regelmäßige Selbsttätigkeit nicht verbinden kann.
Fürwahr«, fuhr er fort, »ohne Ernst ist in der Welt nichts möglich, und unter denen, die wir gebildete Menschen nennen, ist eigentlich wenig Ernst zu finden; sie gehen, ich möchte sagen, gegen Arbeiten und Geschäfte, gegen Künste, ja gegen Vergnügungen nur mit einer Art von Selbstverteidigung zu Werke, man lebt, wie man ein Pack Zeitungen liest, nur damit man sie loswerde, und es fällt mir dabei jener junge Engländer in Rom ein, der abends in einer Gesellschaft sehr zufrieden erzählte, daß er doch heute sechs Kirchen und zwei Galerien beiseitegebracht habe. Man will mancherlei wissen und kennen, und gerade das, was einen am wenigsten angeht, und man bemerkt nicht, daß kein Hunger dadurch gestillt wird, wenn man nach der Luft schnappt. Wenn ich einen Menschen kennen lerne, frage ich sogleich, womit beschäftigt er sich? und wie? und in welcher Folge? und mit der Beantwortung der Frage ist auch mein Interesse an ihm auf zeitlebens entschieden.«
»Sie sind, lieber Oheim«, versetzte ich darauf, »vielleicht zu strenge und entziehen manchem guten Menschen, dem Sie nützlich sein könnten, Ihre hülfreiche Hand.«
»Ist es dem zu verdenken«, antwortete er, »der so lange vergebens an ihnen und um sie gearbeitet hat?«


Die Teilnehmer am Weiterbildungsseminar, die am Freitag nicht mit dabei waren, sollten „Die Bekenntnisse einer schönen Seele” aus dem Meister-Roman zur Vorbereitung gelesen haben. Zur Ergänzung empfehlenswert: Die berühmten Bestimmungen der "schönen Seele", die Schiller in "Über Anmut und Würde" gibt.


Samstag, 9. Dez. 2006 (Das ungefähre Zeitgerüst):

11:45 - 13:00 Uhr:
1. Arbeitseinheit: Inwiefern Hegels „Phänomenologie des Geistes” für die Philosophische Praxis von Interesse ist. Die Beratung als „dialektischer Prozeß”.
Nebenbei: Es jährt sich ja das Erscheinen der "Phänomenologie". Zu diesem Anlaß hat der Bonner Philosoph Thomas Sören Hoffmann in der NZZ vom Wochenende einen Artikel   zu Hegel Meisterwerk geschrieben.
13:00 - 14:30 Mittagessen (beim Chinesen in der Nähe, der ein preiswertes Büffet bietet)
14:30 - 16:15 Uhr:
2. Arbeitseinheit: Einzelne exemplarische „Gestalten” aus der „Phänomenologie des Geistes”
16:15 - 16:45 Kaffeepause
16:45 - 19:00 Uhr:
3. Arbeitseinheit: Gemeinsame Arbeit an dem Kapitel „Das Gewissen. Die schöne Seele, das Böse und seine Verzeihung”
19:00 - 20:00 Abendessen bei uns im Haus
20:00 - 21:30 Uhr:
Was hier zunächst unter dem Titel Beratungs-Erfahrungen vorgesehen war, wurde hier durch eine gemeinsame Übung angestrebt, und zwar an dem Text "Mensch, Jochen!" von dem Schriftsteller Felix Feix, der am Samstag, den 2.Dez. im taz-Magazin  erschien. (Die Teilnehmer haben eine Kopie erhalten!)

Danach: Gemütliches Zusammensitzen beim Wein oben im Wohnzimmer

Sonntag, den 10. Dezember 2006 / Programm des 2. Tages

09:30 - 11:00 Uhr:
Margret Zemp stellte die beiden Bücher von Aron Ronald Bodenheimer vor: „Warum? Von der Obszönität des Fragens” sowie „Verstehen heißt antworten”.
11:00 - 11:30 Kaffeepause
11:30 - 13:00 Uhr:
Fortsetzung: Weitere Diskussion des Referats und Ergänzung der Thematik durch Erfahrungen aus der Praxis
13:00 - 14:30 Mittagessen
14:30 - 16:00 Uhr:
Die Ordnungen der Philosophischen Praxis (5.)

danach: Ausklang beim Kaffeetrinken und Abreise.

Literaturempfehlung:

Hegel, Phänomenologie des Geistes
Die beiden Bücher von Bodenheimer

Als Leseempfehlung für die beiden nächsten Blöcke:

Kant, "Anthropologie in pragmatischer Hinsicht"
Schopenhauer, „Die Welt als Wille und Vorstellung” (ich rate zum 2. Band)
Schopenhauer, „Parerga und Paralipomena” I und II
    obligatorisch darin: „Aphorismen zur Lebensweisheit” in Bd. I
Zur Ergänzung empfehlenswert:
    Rüdiger Safranski: Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie. Eine Biographie.

 




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