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Zur „Sprechstunde” beim Philosophen?

          Wozu? Für wen?

Soviel vorausgeschickt:

          Sprechstunde beim Philosophen heißt: Wir sind für Sie da.
          Wir nehmen uns Zeit, Ihnen zuzuhören, viel Zeit wenn nötig.

Und hier einiges zur Erläuterung

Solide Schätzungen lassen vermuten, die meisten Menschen in Not, die einen Therapieplatz suchen, leiden nicht an einer manifesten Krankheit, die ärztlicher Behandlung bedürfte, sondern sie empfinden sich ‒ was schlimm genug ist ‒ nur als unter- oder überfordert, haben sich eventuell in ihren eigenen Lebensplanungen verheddert, sind irgendwo steckengeblieben; manche sind einfach erschöpft, irgendwie lustlos, niedergeschlagen, andere verzweifelt, jedenfalls wissen sie nicht weiter und nicht wohin. Wieder andere bedrückt ein Kummer oder lassen Sorgen nicht los; einer trauert verpaßten Chancen nach, eine andere einer verlorenen Liebe; vielen fehlt der Mut, einen Neuanfang zu wagen ‒ der eigentlich nötig, ja, im Grunde doch verlockend wäre, aber ... ‒, und wieder anderen fehlt die Kraft und das Versöhnung stiftende Vertrauen, einer ‒ zur Last gewordenen ‒ Geschichte die Treue zu wahren; wieder nochmals andere haben die Hoffnung verloren, es werde noch einmal eine Tür sich auftun für sie, da ihnen alles verschlossen schien; einige quält das Gefühl, überflüssig, in dieser Welt „fehl am Platz” zu sein, andere, nicht dazuzugehören. Die meisten aber ‒ ja, eigentlich alle, die eine Beratung suchen ‒ schmerzt die Erfahrung, nicht verstanden zu sein. Sie suchen Verständnis, auch und selbst für’s Unverständliche. Geht das? Ja. Doch in solchem Verstehen bleibt es das Schwerverständliche. Das Terrain des Philosophen.
Da meldet sich die andere Frage: verstehen sie sich denn selbst? Könnte es wohl sein, daß sie sich ihrerseits im Grunde selber mißverstehen, verkehrte Vorstellungen von sich hegen, sich unter-, sich überschätzen beispielsweise, ihre Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten, anspruchsvoller: ihre Bestimmung verkennen? Was nochmals schlimmer sein könnte: vielleicht ahnen sie nicht einmal, es könne so etwas wie eine „Bestimmung” geben, die sie verfehlen ...
Oder sie haben den für sie einzig angemessenen Ort in dieser Welt noch nicht gefunden und nun laufen sie Zick-Zack, irrlichtern hin und her und kommen nicht von der Stelle.
Oder sie ziehen Bilanz und bemerken: ihr Leben ist ein Sammelsurium von Fragmenten, Bruchstücken, Halb-Halbem, von Angefangenem, das liegen blieb, auch von Unnützem, das besser liegen geblieben wäre ‒ doch ausgerechnet damit hat man sich belastet! Da sieht das Leben dann aus wie ein Haufen ausgeschütteter Puzzle-Steine ‒ doch zu welchem Bild gehören sie?
Wie viele aber sind da, die im Grunde gar kein Problem mit sich selbst oder mit ihrem engeren Lebensumständen haben, doch ihr Eindruck belastet sie, sie verstünden die Welt nicht mehr und sie wüßten nicht, was „von alledem zu halten ist, was da vor sich geht”. Die befürchten, „am Lauf der Welt” irre zu werden. Verschärft: Ihnen wurde „der ganze Laden unheimlich” und nun wissen sie nicht, „was sie noch glauben sollen”. Und manchem ist sogar zumute, als ertöne schon bald das rien ne vas plus und dann gehe überhaupt nichts mehr.
Es sind nicht wenige, die sich fragen, ob sich die Anstrengung zu leben eigentlich „lohnt”. „Was soll’s?” fragen sie und wissen keine Antwort, meinen, es gäbe sie nicht.

Doch sollte tatsächlich schon aller Abende Morgen angebrochen sein? Und alles liefe tatsächlich auf nichts als Abbruch und sinnloses Ende hinaus, auf ein unwiderrufliches finis und Schluß, „das war’s”?
Sollte es in der Tat der Tod sein, der allem zuletzt seinen Stempel aufsetzt? Oder erwartet uns womöglich, was wir uns nicht einmal im Traum zu erhoffen wagten?
Ist alles das „Werk” des schieren Zufalls oder wirkt ‒ diskret, still, unvermerkt ‒ ein Sinn, ein Wozu, ein Wohin in allem?
Genug davon. Einerlei, ob mit schwerem Gepäck oder mit leichter Bürde, sie kommen zum Philosophen, besuchen dessen „Sprechstunde”, holen dort Luft, endlich, genießen es, zu schweigen, bemerken verwundert und erleichtert zugleich, einmal nicht gefragt, nicht ausgefragt, nicht mit Standardfragen behelligt und abgetan zu werden, nicht unter diese Handvoll abgestandener Vokabeln gepackt und wegsortiert zu werden; statt dessen finden sie ein Ohr, das ausführlich zuhört, sich einläßt, mitfühlt, mitempfindet, vor allem aber einen Menschen, der mitdenkt, doch dann auch weiterdenkt, nachdenklich erste besonnene Linien zieht, und mit einem Male, wo eben noch alles verschwamm, zeichnen sich Konturen ab.
Hier wird das Gefühlte, Empfundene wahr- und ernst genommen, statt mit einstudierten Vokabeln abgefunden zu werden, zugleich aber wird außerdem bemerkt, was den Gefühlen entgeht, denn schließlich gilt: auch das Empfinden kann irren.

Wir aber lassen uns ein auf alles, was Sie beschäftigt. Doch während Sie beschäftigt waren, entging Ihnen womöglich das Beste, und das ist: worauf es ankommt ‒ das heißt eigentlich, im Grunde, letztlich. Das ist es, was den Philosophen beschäftigt. Und so ist es unsere Sache, Ihnen den Zugang dazu aufzuschließen.
Fragen Sie sich, was Sie „haben”? ‒ Wir sehen darauf, was Ihnen womöglich fehlt.
Schließlich: Wir wollen Ihnen nicht dazu verhelfen, „Lebenskünstler” zu werden. Sehr wohl aber dazu, leben zu können, besser noch: gut zu leben, bestenfalls: Lebenskönnerschaft zu erwerben.

Kurz: Wir sind für Sie da. Wir nehmen uns Zeit, Ihnen zuzuhören, viel Zeit wenn nötig.
Das heißt: Wir nehmen ernst, was Sie bewegt. Und wenn möglich gehen wir mit Ihnen auf die Suche nach Wegen, die sie weiterbringen.
Zuversicht werden Sie mitbringen müssen. Zutrauen finden Sie hier, bei uns.

 




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