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Sommertage in Leck 2015 zu Hamlet [Philosophische Praxis Gerd B. Achenbach] || nach oben springen || Startseite Achenbach-PP.de

Philosophisch-literarische Sommertage
im hohen Norden in Leck

Ein Prinz von Dänemark: Die Tragödie des Hamlet
... und manches andere von William Shakespeare

  

Von Sonntag, den 16. (bzw. Dienstag, den 18.) bis Sonntag, den 23. August 2015

  

Die Nordsee Akademie vom Park aus gesehen
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Die Nordsee Akademie vom Park aus gesehen

In diesem Jahr also - gewissermaßen auf Sichtweite der dänischen Grenze - das schlechthin berühmteste Stück, das je (fiktiv) auf dänischem Boden spielte: Shakespeares „Hamlet”.

Und dazu auch noch - eine unwiederholbare Gelegenheit! - besuchen wir im Rahmen unseres Tagesausfluges nach Ribe , Dänemark ältester Stadt, wohl als die erste Gruppe überhaupt das Schloß des gegenwärtigen Prinzen von Dänemark, Schloß Schackenborg  in Møgeltønder, das wir bisher nur von außen und von ferne anschauen konnten. Doch diesmal werden wir Einlaß erhalten und das Schloß besichtigen können. An Ort und Stelle wird Jakob Poiesz, aus dem Hörfunk bekannter Rezitator und Sprecher, einiges aus "Hamlet" rezitieren.

Wie auch sonst, mag, wer will, statt erst am Dienstag bereits am Sonntag anreisen, und zusammen mit uns zwei „Urlaubstage” vorschalten, Gelegenheit, feine Ausflüge zu unternehmen; diesmal vielleicht hinüber zur Insel Sylt ?


      Hier zum Programm, das uns erwartet:

Eine Dame, als sie hörte, ich plante im Sommer eine Woche zu Shakespeares Hamlet, sagte mir am Telefon, man habe sie früher in der Schule mit Shakespeare traktiert; sie fände, ehrlich gesagt, Shakespeare ziemlich langweilig. Kann das wohl wahr sein? Dieses einzigartige, darum unvergleichliche, in seiner Höhe wie Tiefe und Weite nie wieder erreichte, nie übertroffene Genie - von dem Nietzsche meinte: „Ich kenne keine herzzerreißendere Lektüre als Shakespeare: was muß ein Mensch gelitten haben, um dergestalt es nötig zu haben, Hanswurst zu sein! - Versteht man den Hamlet? Nicht der Zweifel, die Gewißheit ist das, was wahnsinnig macht ... Aber dazu muß man tief, Abgrund, Philosoph sein, um so zu fühlen” - dieses Jahrtausend-Ereignis ... „langweilig”? Könnte es wohl eher sein, daß einige eine gewisse Angst befällt im Blick auf Shakespeare, von dem der amerikanische Literaturwissenschaftler Harold Bloom einmal sagte, ewig werde dieser Dramatiker uns besser verstanden haben, als wir je ihn verstehen? Und Ralph Waldo Emerson (am Rande notiert der von Nietzsche meistzitierte Philosoph!) fand die prächtige Wendung: Shakespeare sei „unfaßbar weise”, während alle andern allenfalls „faßbar” weise seien. Glänzend formuliert!

Natürlich darf man sich nicht irremachen lassen vom ästhetisierenden Theaterverschnitt, der auf deutschen Bühnen aufgetischt wird. Da wurschtelt man aus ihm zusammen, „was man will” ... An ein Monster von Werk wie den Hamlet aber - wie ich seit einiger Zeit zu bemerken glaube - trauen sie sich überwiegend schon gar nicht mehr heran, was Wohldenkenden recht sein soll.

Nebenbei: Glaubt jemand, diesen Hamlet „verstanden” zu haben? Etwa, weil er - wie die Litaneien tönen - ein „Zögerer” sei? Er, der zielsicher und kaltblütig Rosenkrantz und Guildenstern umbringt und Polonius „wie eine Ratte” ersticht? Geht es überhaupt um einen „Charakter” in diesem Abgrund von Stück? Nicht viel eher um eine „aus den Fugen geratene” Welt, um die Moderne, die kaum einer vollkommener vertritt als Hamlets Gegenspieler Claudius, der diplomatische Zyniker und Machtmensch par excellence?

Nietzsche (noch einmal er) hat Hamlet in seiner „Geburt der Tragödie” mit dem „dionysischen Menschen” verglichen und dann kryptisch erklärt: „... beide haben einmal einen wahren Blick in das Wesen der Dinge getan, sie haben erkannt, und es ekelt sie zu handeln; denn ihre Handlung kann nichts am ewigen Wesen der Dinge ändern, sie empfinden es als lächerlich oder schmachvoll, daß ihnen zugemutet wird, die Welt, die aus den Fugen ist, wieder einzurichten. Die Erkenntnis tötet das Handeln, zum Handeln gehört das Umschleiertsein durch die Illusion – das ist die Hamletlehre, nicht jene wohlfeile Weisheit von Hans dem Träumer, der aus zu viel Reflexion, gleichsam aus einem Überschuß von Möglichkeiten, nicht zum Handeln kommt; nicht das Reflektieren, nein! – die wahre Erkenntnis, der Einblick in die grauenhafte Wahrheit überwiegt jedes zum Handeln antreibende Motiv, bei Hamlet sowohl als bei dem dionysischen Menschen. Jetzt verfängt kein Trost mehr, die Sehnsucht geht über eine Welt nach dem Tode, über die Götter selbst hinaus”.

Doch ich will mit diesen wenigen Notizen der Hamlet-Interpretation nicht vorgreifen: die wird uns in Leck beschäftigen - womöglich wie ein Himmelsspaziergang, der unsere Welt in der Vogelperspektive daliegen läßt.

Zum heiteren Ausgleich sehen wir abends die herrliche, gewissermaßen „himmlische” Komödie „Was ihr wollt”, und zwar in der m.E. unüberbotenen Inszenierung durch Otto Schenk mit Klaus-Maria Brandauer und Helmut Lohner.


Schließlich:

Goethe meinte in seiner berühmten Rede „Zum Schäkespears Tag”: Es gebe „keinen höhern Genuß und keinen reinern, als sich mit geschloßnen Augen durch eine natürlich richtige Stimme ein Shakespearesches Stück nicht deklamieren, sondern rezitieren zu lassen.” Indem wir „dem schlichten Faden, an dem er die Ereignisse abspinnt”, folgen, „erfahren wir die Wahrheit des Lebens und wissen nicht wie”.
In diesem Sinne wird uns an einem der Abende der bekannte Rundfunksprecher und Rezitator Jakob Poiesz Passagen aus Shakespeares „Hamlet” lesen.


Hier außerdem einige Vorschläge für die, die bereits am Sonntag anreisen,                    um zuvor mit uns zwei Tage Urlaub zu verbringen:



Was wäre von einem Ausflug am Montag hinüber zur Insel Sylt zu halten, wo wir zunächst den malerischen Ort Keitum besuchen mit seinen idyllischen Plätzen und den aufgereihten reetgedeckten ehemaligen Kapitänshäusern? Dort laden exklusive Boutiquen zum Schaufensterbummel ein, kuschelige Teestuben locken mit Hausgebackenem und traditionelle Gaststätten tragen friesische Gerichte auf. ‒ Und danach ginge es weiter bis zum hohen Nordkap der Insel, zum Hafenort List, wo sich ein Bummel einlegen ließe an den Kais längs und wo buchstäblich fangfrischer Fisch serviert wird.
Und am Dienstag? Einige besuchen vielleicht das Nolde-Museum in Seebüll , während andere einen Badeausflug zur dänischen Küste der Flensburger Förde  unternehmen oder durch die überaus sehenswerte Altstadt von Flensburg  mit ihren historischen Höfen und Gassen schlendern.

Alles Weitere - die Kosten, Anmeldefristen usw. - finden Sie hier.
 




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