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Gerd B. Achenbach

Wunschkunde



„Philosophisch betrachtet”


Dachten Sie, Ihr „Wunschkunde” werde hier philosophisch betrachtet? Der Liebling des Lieferanten? Nun, Sie hätten sich getäuscht. Nicht um den Kunden geht es, sondern um die Kunde – um Wunschkenntnis, um Wunschaufklärung oder die Erkundung, was es mit dem Wünschen auf sich hat.

Werfen wir zu diesem Zweck einen Blick auf die zweifellos berühmteste Geschichte einer zweifelhaften Wunscherfüllung: König Midas hat beim allmächtigen Himmelspersonal einen Wunsch frei. Was wünscht er sich? Daß ihm alles, was er berührt, zu Gold wird ... Sie kennen die grausame Belehrung, die ihm zuteil wird: Gold läßt sich nicht essen und nicht trinken. Dumm gelaufen. Die Moral der Fabel: Wünschen will gelernt sein. Midas hätte sich die Weisheit nebst Verstand erbitten sollen, besonnen, klug zu wünschen. Die entsprechende Empfehlung lautet:

Bedenke gut, was du dir wünschst. Es könnte wahr werden.

Zweiter Anlauf. Wunsch und Begierde regieren die Welt. Auch die der Natur. Der Fisch schnappt nach dem Köder – und hängt am Haken. Mit Speck fängt man die Maus – »Platsch!« –, da klappt die Falle zu. Der Hund, der folgsam rapportiert, erhält sein Leckerchen. Fraglich nur: Wer lenkt da nun? Sein Appetit? Oder nicht vielmehr sein Herrchen, das sich seinen Appetit zunutze macht?
Könnte es wohl sein – um von uns zu reden –, daß uns Wünsche und Bedürfnisse beherrschbar machen? Und ausgerechnet unser Träumen wäre es, das uns der harten Wirklichkeit ausliefert und uns zum Lauf im Hamsterrad verurteilt?

Dritter Anlauf. Was ist mit dem Wunsch, wenn er erfüllt ist? Das ist das Thema, das auf den Tisch kommt, wo immer über’s Wünschen nachgedacht wurde. So hat es uns zum Beispiel Wilhelm Busch serviert: Ein Wunsch, „wonach du sehnlich ausgeschaut”, geht in Erfüllung. „Du triumphierst und jubelst laut”, du denkst, „jetzt hab’ ich endlich Frieden!” Doch Busch, der wunschkundige Menschenkenner, weiß es besser: Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.

Letzter Anlauf: Wie gehe ich mit meinem Wünschen um? Chinesisches Sprichwort:

    Unsere Wünsche sind wie kleine Kinder:
    je mehr man ihnen nachgibt,
    um so anspruchsvoller werden sie.


Wenn das wahr ist, dürfte uns der Rat des guten Baltasar Gracián willkommen sein: Devise sei, sagt dieser kluge Spanier, etwas zu wünschen übrig haben, um nicht vor lauter Glück unglücklich zu sein. Der Leib will atmen, und der Geist streben. Wer alles besäße, wäre über alles enttäuscht und mißvergnügt.

Ergo: Seine Wünsche pflegt, wer sie beschneidet. Gärtnerweisheit. Menschenkunde.

Nachsatz. „Wunschkunde” heißt auch: Euer Kunde sind die Wünsche. Wenn das Wünschen stürbe, müßtet ihr den Laden schließen.

Sonderwunschlos glücklich. Nichts ist unmöglich – hieß ein berühmter Werbeslogan. „Sonderwunschlos”: eine vorsichtige Formel ... Denn wer verkaufte wohl einem „wunschlos Glücklichen” ein Auto?

Erschienen in "Promotion Business" 3/08, Juni 2008
 




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