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Gerd B. Achenbach: Das tragische Bewußtsein: ausgestorben? lächerlich geworden? überholt? Oder sind die brav Modernen nur blind dafür?

Freitag-Vortrag am 4. Mai 2012
CD Nr. 351
Das erste Seminar im neuen Haus, der Umzug glücklich überstanden, alles präsentiert sich großzügiger, geräumiger, heller, freundlicher, einladender ‒ und dann, zur Eröffnung, ein so düsteres Thema? Paßt das?

Nun, die Thematik steht auf der Agenda des „Studienkurs Philosophische Praxis”, der an diesem Wochenende in unserem Haus gearbeitet hat.
Doch die Teilnehmer am Freitag-Vortrag dürfte die Frage nicht weniger interessieren, was aus Menschen wird, denen der Sinn für’s Tragische verloren ging.
Oder die Frage, warum es repräsentativ eine Gestalt wie Mephistopheles ist, die zwar Entsetzliches anrichtet, der zugleich jedoch jeglicher tragische Zug fehlt.
Schließlich: Sollte wirklich der Versuch, das tragische Bewußtsein zu neuem Leben zu erwecken, die lächerlich unnütze Bemühung sein,
aus kalter Asche Feuer anzublasen? Ist also der Verlust des tragischen Welt- und Menschenbildes womöglich irreversibel?
Wenn ja: Wäre dies womöglich seinerseits „tragisch” - im Sinne Spenglers, der das „zu spät” als die Kategorie des Tragischen verstand?
Oder wäre es nur traurig, bedauerlich? Oder sollten wir im Gegenteil erleichtert sein, daß das tragische Personal im Orkus verschwand
und nun eine verträglichere, einlenkende Sorte Mensch die Szene bestimmt?

Um zumindest anzudeuten, wofür ich an diesem Abend den Blick schärfen möchte, hier ein einziges Zitat:

Auf dem „Axiom des Tragischen,daß tragische Helden nicht die Flucht ergreifen, beruht die Würde der Menschheit”.

In der Tat: Der tragische Mensch gab einst das Beispiel, er stand aufrecht, gerade, unerschütterlich, ließ weder mit sich handeln noch sich vermarkten.
Eher brach er, als daß er sich bog.
 
 




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