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Gerd B. Achenbach über Sigmund Freud (Anläßlich seines 150. Geburtstags)

Freitag-Vortrag am 19. Mai 2006 CD Nr. 160
Wer verfolgen konnte, wie kürzlich, zu Freuds 150. Geburtstag am 6. Mai, von den „offiziellen” Vordenkern und Feuilletonbeschickern reagiert wurde, dürfte eine gewisse Verlegenheit nicht übersehen haben. Vergleichsweise den entschiedensten Respekt zollten dem Geehrten noch die Philosophen ...
Und wirklich ist dies meine Vermutung: Sein Nachleben wird Freud nicht bei seinen „Berufsgenossen” finden, sondern in der Philosophie. Nicht zuletzt: in der Philosophischen Praxis.
Thomas Macho hat in seinem Beitrag in der SZ in solchem Sinne geschrieben, „nicht als wissenschaftliche Seelenlehre” werde die Psychoanalyse überleben, sondern eher noch „als Übung und Kunst des richtigen Zuhörens”.

Was ich meinerseits zur kritischen Würdigung Freuds unternommen habe, steht als Inhaltsübersicht hier:


Warum ich jene berühmte Stelle zu den drei „Kränkungen der Menschheit” in seiner 18. Vorlesung zur Einführung der Psychoanalyse zum Ausgangspunkt meiner Beobachtungen wähle.
Vortrag jenes einschlägigen Textes zunächst.
Erste Einwände: Es gäbe andere Kandidaten, die die „Eigenliebe” der Menschen entschiedener kränkten: Kant beispielsweise.
Zum Superlativ „die empfindlichste Kränkung” und: Inwiefern liegt als Symptom der Menschheit „Größensucht” vor? Womöglich handelt es sich um eine Symptom-Verschiebung: Freud „entdeckt” sein Problem an der widerstrebenden Menschheit.
Fehlleistung: Eine Kränkung „erfährt” (?) die Menschheit. Erklärung: Was die Psychoanalyse „erfuhr”, mutet sie „der Menschheit” als Kränkung zu.
Dann: was geschieht (die Kränkung), soll geschehen. Faktisches wird zum Willensresultat uminterpretiert. Die Begründung dieses „Sollens” bleibt unbewußt: Der Aufklärungs-Imperativ dahinter: Was gewußt werden kann, soll gewußt werden. Ergo: Es gibt ein unbewußtes Bewußtsein. Eine Fundamental-Kategorie der Philosophischen Praxis. Erst die Aufklärung über das unbewußte Bewußtsein eröffnet Bewußtseins-Alternativen. An Nietzsche und Thomas Mann, der von Freud lernte, ist dies zu sehen. Nietzsche: Warum nicht lieber Nicht-Wissen als Wissen? Und Thomas Mann legt's Goethe in den Mund: „Im Bewußten kann der Mensch nicht lange verharren ...” Spott über Schiller, den „großen, rührenden Narr”.
Freuds „Mahnung zur Einkehr” hat das Bild vom „Herrn im eigenen Haus” im Zentrum. Dieses Bild ist eigenartig ... Wer ist eigentlich „Herr im eigenen Haus”? Der Tradition nach der, der „das Sagen” hat. Jetzt: Das Wissen tritt an die Stelle. Herr ist, wer vollständig „informiert” ist. Herr ist, wem nichts „verborgen” bleibt. Das schildert zumal (wohl kaum von Freud begriffen) die Herrschafts-Ansprüche der Psychoanalyse.
Denn die Psychoanalyse ist es, die auf solches „Herrschafts-Wissen” Anspruch erhebt. Hier ist die Frage aufgeworfen, wer der Herrscher über das Seelenleben ist. Nicht mehr der Befehlende, sondern jetzt der Wissende ...
Ein Fremdkörper im Text ist das Wort „Einkehr”, das zur Deutung einlädt. Im Zusammenhang wird von den „Vorgängern” gesprochen. Tatsächlich hat der Begriff des „Unbewußten” Karriere gemacht in dem Augenblick, da der Begriff des Bewußtseins ins Zentrum trat. Also wird „das Unbewußte” interessant in der Aufklärung und vorbildlich bei Kant.
Dazu aus dem § 5 seiner „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht”. Das meiste bleibe uns unbewußt, wovon wir nur „mittelbar” erfahren. Hier wird bereits begriffen, was Freud später als die Aufklärungen über das Unbewußte etwa durch die „Fehlleistungen” gewann. Auf der „großen Karte unseres Gemüts” seien „nur wenige Stellen illuminiert”, doch dann kommentiert Kant: was „uns Bewunderung über unser eigenes Wesen einflößen” könne! - Erstaunlicherweise wählt Kant die Sexualität als Beispiel für eine „offenkundige” Verbergung. Inwiefern hier Kant über Freud aufklärt und nicht umgekehrt. Kant begreift die Verlockung, „das Dunkle in klare Begriffe aufzulösen”, da es den Ruf „besonderen Scharfsinns” erwerbe.
Die merkwürdige Wendung, ihm und der Psychoanalyse sei „beschieden”, „am eindringlichsten” usw. Zur Herkunft dieses Begriffs und wie sich sein Auftritt hier verstehen läßt. Es wird ein „Imperativ” in Anspruch genommen. Exkulpation als Tendenz. Und zugleich die (von Freud nicht begriffene) Einführung eines weiteren Verständnisses von Unbewußtem: die Fügung, das Schicksal. Nochmals Thomas Mann als Zeuge. Aus dem Josephs-Roman: Das Verhängnis als Beispiel. Aufklärung über die Technik der Widerstands-Anregung. Was „nahe geht” (nicht etwa „nahegelegt” wird) muß Widerstand erzeugen.
Zu Rortys Deutung der hier interpretierten Stelle: Kopernikus und Darwin hätten die Menschen nicht gekränkt, sondern dafür gesorgt, „daß der Mensch obenauf bleibt”. Freud stehe in derselben Linie. Schließlich deutet er die Stelle vom „Herrn im eigenen Haus”, die Freud nicht verstand: das Bedeutende sei, daß das Unbewußte bei Freud wie eine „weitere Person” eingeführt werde, die sich aufführe, als habe sie was zu sagen. So hat Freud dem Menschen die Chance eines inneren Dialogs ermöglicht, womit der Mensch sich selbst interessant wird.
 
 




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