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Gerd B. Achenbach: Botho Strauß zur Flüchtlingskrise

Freitag-Vortrag vom 23. Oktober 2015
CD Nr. 462
Von einem, der sich gestattet, nicht „ein-verstanden” zu sein
sowie vom Feuilleton, das wachsam ist und die falsche Gesinnung flugs auskehrt
Oder:
Wie die Scheiterhaufen-Unduldsamkeit der richtig Gesonnenen
über den Mann in der Uckermark herfällt

Dem Leser der gehobenen Presse konnte es nicht entgehen: Botho Strauß, der Öffentlichkeitsflüchtling und Uckermärkische Immigrant, hat sich wieder einmal (im SPIEGEL) zu Wort gemeldet und die Wächter über die richtige Gesinnung mit unstatthaften Gedanken zur zurechtweisenden Reaktion genötigt: In den Feuilletons taten sie sich zur intellektuellen Lynchjustiz zusammen, um „den Anfängen zu wehren”.
Von einem nachdenklichen Beitrag in „der Freitag” und einem Interview, das Strauß’ Freund Martin Mosebach dem DLF gab einmal abgesehen, war den Kommentatoren - im Dienst der Reinerhaltung unseres intellektuellen Milieus- jedes Mittel zur Erledigung des Unbequemen recht: Seine Glosse (zur sogenannten „Flüchtlingskrise”) sei „ein Dokument des Wahns”, heißt es etwa, ein „Ausdruck melancholischer Postpotenz” und „beginnender Demenz”, ein „Fall von Glossolalie des unheiligen Geistes”, ein Akt verzweifelter „Selbstvernichtung, die sich als Sorgenpüppchen verkleidet”. (DIE ZEIT)
Da verweigere einer, „im Diesseits zu leben”, um statt dessen „gute Verhaltensnoten im Himmel zu kassieren”. (FAZ)
Was Strauß sich da erlaubt habe, diese „tägliche Tagesverachtung ohne Datumszeilen”, „widere schlicht an”, rieche nach „Brandstiftung”. (DIE WELT)
Mit seinem „zornig-melancholischen Donnerwort” habe Strauß die „Dichtung ans Dumpfe verscherbelt”. (Berliner Zeitung)

Mein Eindruck: Da dünken sich gesinnungserblindete geistige Analphabeten zur Zensur verpflichtet.
 
 




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