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Die GPP e.V. lädt ein zur

Herbst-Akademie - Zu seinem 200. Geburtstag auf den Spuren Theodor Fontanes im Brandenburger Land

29. September bis 3. Oktober 2019

Sein Roman „Irrungen, Wirrungen” - oder:
      Eine Einladung, die Menschen zu unterscheiden


Gesamtleitung: Dr. Gerd B. Achenbach

Theodor Fontane (von Carl Breitbach (1833–1904) <br>Quelle: www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH
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Theodor Fontane (von Carl Breitbach (1833–1904)
Quelle: www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

Ein Seminar am Ort des Geschehens

in den liebevoll renovierten "Märkischen Höfen"  in Netzeband bei Neuruppin.

Mit Besuchen

der Fontane-Stadt Neuruppin  und der Leitausstellung Fontane.200 im Museum Neurupppin  (nur 17 km entfernt!) sowie
des Preußen-Sitzes „Schloß Rheinsberg” , wo der junge Thronfolger Fritz mit Voltaire tagte ...

Wir haben eine „Kritik der reinen Vernunft”, eine „Kritik der praktischen Vernunft”, wir haben den Plan zur „Kritik der historischen Vernunft” (Dilthey) und von Sloterdijk die „Kritik der zynischen Vernunft” ‒ was uns fehlt, wessen wir aber dringend bedürfen, ist eine „Kritik des Menschen”: eine Anleitung, Menschen zu unterscheiden.

Damit ist ‒ skandalös genug ‒ gemeint: Uns wäre eine profunde Urteilsbefähigung nötig, die berechtigen würde, diesem Menschen unsere höchste Achtung und Wertschätzung zuzuerkennen, ihn mit guten Gründen als Vorbild einer „edlen Einfalt, einer stillen Größe” zu loben, als Vorschein menschlichen Gelungenseins, so daß wir sagen dürften, es sei eine Freude, ihn unter uns zu haben ...; in einem andern aber jemand wahrzunehmen, der wohl glänzt und etwas von sich hermacht, sich im Erfolg sonnt und wie im Coup die Bühnen seiner Welt einnimmt, und doch ist alles bloß Fassade, vorgemacht, Dekor, und von einem Innern, von Gehalt, von einem wohlbegründeten Interesse, das wir an ihm nehmen könnten, kann keine Rede sein. Das Urteil, das zu unterscheiden wüßte, könnte lauten: Jener leuchtet, dieser blendet.

Oder nochmals anders: Die gedachte „intellektuelle Urteilskraft”, die zu unterscheiden weiß, wüßte etwa von dem einen, er sei ein Individuum aus einem Guß, von einer Richtigkeit und Überzeugungskraft, die ihr Maß allein in diesem einen Menschen als diesem einen Beispiel hat, im Grunde diesem einzigen; und dann von einem andern, der ein Fall von diesem oder jenem Schlag von Menschen ist, ein Typus, dem wir hier und dort begegnen, schon oft begegnet sind, ein Exemplar wie die Kopie eines vervielfältigten Musters, einer, den wir im Augenblick, da er uns begegnet, eigentlich schon kennen.
Warum so viele Worte über eine solche ‒ nach der Verabschiedung der Tugenden und Laster uns fatalerweise fehlende ‒ Befähigung zur gültigen Kritik des Menschen, die zu unterscheiden wüßte, die zu unterscheiden sich getraute?

Weil sich eben so dieser vorzügliche kleine Roman des Jubilars Fontane lesen läßt, statt ihn in den Mühlen eines öden Literaturunterrichts analytisch klein zu häckseln.
Da ist das Mädchen Lene, Magdalene eigentlich, die Unvergleichliche, von der man sagt, sie sei die überzeugendste Frauengestalt, die Fontane je geschaffen habe. Ich stimme diesem Urteil zu. Und da ist die andere, die Vorgesehene, zuletzt die Rechtmäßige: Käthe, begütert, angesehen, glamourös, umworben, doch für den, der Augen hat, unfreiwillig komisch, so wie sie selber alles „komisch” findet. Von ihr heißt es, sie entbehre „der Fähigkeit, zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen zu unterscheiden. Und was das schlimmste war, sie betrachtete das alles als einen Vorzug.”
Von Lene hingegen sagt Fontane mit feiner Schlichtheit, ihre Eigenart sei „Einfachheit, Wahrheit und Unredensartlichkeit”.

Vergleichbares ‒ wenn auch mit geringerer Ausprägung und weniger augenfällig ‒ gilt von den beiden Männern im Mittelpunkt dieses Romans, von Baron Botho und von Gideon, dem Konventikler. Und die vielen anderen? Der alte Onkel, ein Relikt versunkener Zeit, oder „die Dörr”, die Gärtnersfrau, die sich ein „Berliner Original” nennen ließe, sofern man unter „Original” das korrekte Abbild eines Typs verstünde?
Anforderungen an ein differenzierendes Urteilsvermögen auch sie, wenngleich solche mit bezifferbarer Zeitgeschichtsstelle: Exemplare einer gesellschaftlich geprägten Spezies, die ihr Recht hatten, doch mit der Gesellschaft, der sie zugehörten, dies Recht auch wieder einbüßen mußten.
Kurz: Ich verspreche, es wird ein Abenteuer des Geistes werden, diesen kleinen und doch grandiosen Roman philosophisch zu lesen und ihn uns auf diese Weise zuzumuten. Denn auf eine Zumutung, soviel ist gewiß, läuft’s hinaus ...

Neben dem Roman werden wir einige seiner Reiseberichte aus den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg” kennenlernen, die eben jene Gegenden schildern, in denen wir tagen.

Ich empfehle die dtv-Taschenbuchausgabe mit hilfreichen Anmerkungen und einem Nachwort von Helmuth Nürnberger.




Zu Gast werden wir zum zweiten Mal sein in den liebevoll renovierten und modernisierten „Märkischen Höfen” in Netzeband. - Netzeband...? Nun, von dem kleinen Ort, der - vom jährlichen Sommer-Theater-Festival einmal abgesehen - kein Aufhebens von sich macht, ist inzwischen kaum noch Rühmenswertes zu berichten. Er liegt an der Bahnstrecke Berlin-Wittenberge und verfügt über eine eigene Bahnstation, von der aus dann die „Märkischen Höfe” in wenigen Minuten erreichbar sind.

Ehedem jedoch, zu den Zeiten des alten Fritz oder dessen soldatischen Vater, hieß Netzeband - so lesen wir in Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg” - Freiheit. Zitat: „Netzeband war gleichbedeutend mit Freiheit. In vielen hundert, um nicht zu sagen tausend Herzen hat sich damals alles Denken und Wünschen um die Frage gedreht: werde ich Netzeband erreichen oder nicht? Und alles, was sich nur ersinnen ließ, um das Desertieren unmöglich zu machen, ward infolge davon angewandt.” Die Enklave Netzeband nämlich war der erste Ort hinter der Hoheitsgrenze Preußens, und wer es geschafft hatte, sich bis dahin durchzuschlagen, der konnte den verhaßten Soldatenrock ausziehen.

Wir sind allerdings nur sehr vermittelt des Ortes wegen dort: denn von hier aus erreichen wir bequem alle Stätten, die wir im Laufe der Tage besuchen werden: Neuruppin, das Rheinsberger Schloß, und wer mag, fährt mit uns am 3. Oktober im Anschluß an das Seminar gemeinsam zum Stechlin-See.

Vor allem wird sich zeigen, daß die „Märkischen Höfe” - von einer Südtiroler Familie mit viel Geschick, Liebe und Engagement bewirtschaftet - für die Zwecke unserer Tagung vorzüglich geeignet sind. Die Atmosphäre im Haus ist gemütlich, ein feiner Geschmack hat alles einladend gestaltet, in der Küche sucht man die Südtiroler Finesse mit Märkischer Tradition zu verbinden, die Landschaft, zur der hinaus sich das hufeisenförmig angelegte Anwesen öffnet, bietet mit eigenem Badesee und Pferdekoppeln eine liebliche Aussicht, und für die Entspannung ist mit einer Sauna im Hause auch noch gesorgt.
Die Zimmer sind allesamt ansprechend gestaltet, gepflegt und mit eigenen Sanitäreinrichtungen ausgestattet.
Es lohnt sich, die ansprechende Internetseite des Hauses  zu besuchen und sich dort umzuschauen.
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Näheres zum Ablauf der Herbstakademie, zu den Kosten, und zur Anreise finden Sie hier!

Fontane-Apotheke Neuruppin (Foto: Achenbach)
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Fontane-Apotheke Neuruppin (Foto: Achenbach)

Goldener Herbst in Netzeband (Foto: Achenbach)
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Goldener Herbst in Netzeband (Foto: Achenbach)

Schloß Rheinsberg (Foto: Achenbach)
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Schloß Rheinsberg (Foto: Achenbach)

Die Märkischen Höfe (Foto: Achenbach)
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Die Märkischen Höfe (Foto: Achenbach)
 




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