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Was braucht der Mensch? [Philosophische Praxis Gerd B. Achenbach] || nach oben springen || Startseite Achenbach-PP.de

Gerd B. Achenbach

Was braucht der Mensch?



„Philosophisch betrachtet”


Essen und Trinken, Kleidung und Schuh, Wärme, wenn es kalt, Kühle, wenn’s zu warm ist, überm Kopf ein Dach und für die Nacht ein Bett. Dazu: Sicherheit für Leib und Leben. Für den Mann das Weib; fürs Weib der Mann – und manche wünschen sich, solange sie noch keine haben, Kinder. Wir alle brauchen Freunde, einen Arzt, wenn etwas weh tut, für Arznei die Apotheke, außerdem den Staat, die Polizei, und möglichst nie die Feuerwehr.
Hab’ ich was vergessen?
Richtig! Die Telekommunikationsgesellschaften mit ihren Netzen, die Zeitung morgens, televisionär gelieferte Versorgung mit abendlicher Unterhaltung; das Auto und die Straßenbahn, das Flugzeug für die weite Reise, das Fahrrad für die kurze Tour; See und Meer zum Baden, zum Wandern das Gebirge, Berg und Tal; die Banken für den Geldverkehr und die Versicherung für Schadensfälle und eventuell zur Vorsorge für späte Tage.
Das wär’s?

Einst hatte alles eine Mitte: Am Marktplatz, wo der Brunnen stand, erhob sich ehrwürdig die Kirche, und der Sonntag war der Feiertag. Da putzten sich die Menschen fein heraus, da sammelten sie sich und ließen sich daran erinnern, daß das irdische Theater eines Tages aus ist. Als Zeugen ruhten auf dem Kirchhof jene, die vorausgegangen waren und doch auch einmal, wie wir, gearbeitet, geliebt, gelitten hatten. Und manchem Lebenden war an den Gräbern irgendwie zumute, als warteten die Seinen, bis er eines Tages, von hier abgeschieden, dort, in ihrem Kreis, von ihnen aufgenommen werden würde. Also brauchte er noch mehr, als hier zu holen war: einen Himmel über dieser Erde.
So war’s.

Und nun? Was braucht der Mensch? Was brauchen wir? Erfolg? Bestätigung? Die Anerkennung der Kollegen? Das Bewußtsein, daß man uns nötig hat, uns schätzt, uns mag? Das Gefühl, wir fehlten, wenn wir nicht zur Stelle wären? Gut.
Was noch?

Einen klaren, unterscheidungsfähigen Verstand; einen unbeirrten, starken Willen; Besonnenheit, die abzuwägen weiß, was gut, was wünschenswert, was überflüssig ist; eine gesunde oder jedenfalls kurierte Seele; ein Gemüt, das guter Dinge ist; ein Herz, das nicht verzagt; ein Empfinden für das Angemessene und Angenehme; ein Gefühl fürs Grobe und fürs Zarte; eine feine Nase, ein sensibles Ohr, einen Kopf, dem etwas einfällt, und einen wachen Sinn, dem etwas auffällt. Das wäre schön.

Die alten Griechen aber kannten noch etwas, was Menschen brauchen. Sie nannten das Organ, das empfindsam über ihre Ehre wachte, das der Stammsitz ihrer Würde, ihrer Selbstachtung und ihres Stolzes (auch ihres Zornes) war: thymós. Thymós galt ihnen als die Mitte einer dreigliedrigen Seele, zentral plaziert zwischen dem vernünftig kalkulierenden und dem begehrlich affektiven Teil.

In diese Mitte rückte später das Gewissen ein als Wächterin der Ehre. Wer die verlor, der war verloren – was zur Ehrlichkeit erzog. (Aktuelles erinnert uns daran.)

Zum Schluß zwei Fragen:

Was, wenn Menschen meinen, „Ehre” sei veraltet, sowas brauche man nicht mehr?
Und dann:
Wo ist – was ist – für uns die Mitte? Oder brauchen wir auch die nicht mehr?

Erschienen in Promotion Business Nr. 2/2008
 




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