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Weiterbildungsseminar „Philosophische Praxis”



Ein zwei-/dreijähriger Lehrgang der Gesellschaft für Philosophische Praxis GPP

Konzeption und Leitung: Dr. Gerd B. Achenbach

Die Philosophische Praxis: Philosophie als Beruf




Das zweite Weiterbildungsseminar. Beginn: 26./27. April 2008.


Zu den Inhalten:

1. Historischer Teil in praktischer Absicht


a.   Da die Philosophische Praxis ihr Selbstverständnis nicht zuletzt im Gespräch mit den geschichtlichen Gestalten der Philosophie entwickelt, ist ein philosophiehistorischer Teil der Weiterbildung erforderlich. Dabei wird der besondere Anspruch sein, die überlieferten Philosophien als Antworten auf ursprüngliche Fragen zur Sprache kommen zu lassen und diese Fragen mit den Problemen zu vermitteln, die sich für Menschen heute im Zuge problematischer Lebensbewältigungsgeschichten ergeben.
Der philosophiehistorische Kurs wird so – in seminarphilosophisch unvertrauter Weise – die Aufmerksamkeit insbesondere auf Fragen der Lebensführung richten, orientiert an der sokratisch leitenden Gewißheit, nur ein geprüftes sei ein gutes Leben.

b.   Die interessierte Gewichtung, welche Texte und Traditionen der aneignenden Beachtung vorzüglich wert sind, wird im Weiterbildungsgang Philosophische Praxis anders vorgenommen werden, als dies im Rahmen des gewöhnlichen Studiums üblich ist.
Einerseits wird die praktische Philosophie im Vordergrund stehen, und dabei werden infolge des besonderen Interesses, das jetzt an die Philosophiehistorie herangetragen wird, auch Philosophien, die sonst etwa mangelnder „Originalität” wegen gering geachtet wurden, nachdrücklich gewürdigt (beispielsweise die Denker der römischen Stoa, ein Mann wie Plutarch oder Cicero, Gracian, Montaigne, die französischen Moralisten). Kant, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche und Kierkegaard aber – um nur sie zu nennen – , werden als Hauptwegbereiter einer heute erforderlichen Philosophischen Praxis besonders beachtet werden.
Andererseits wird auf Traditionen die Aufmerksamkeit gelenkt, die sonst eher übersehen wurden: etwa auf Quellen der Menschenkenntnis, wie sie sich zumal in Korrespondenzen, Tagebüchern, Biographien und der großen Literatur finden.
Die Frage, was in der Philosophie die Haupt- und was die Nebensachen sind, stellt sich aufgrund der besonderen Nachfrage neu, mit der sich die Philosophische Praxis an die Geschichte der Philosophie wendet.

c.   Begleitend wird der Weiterbildungsgang Philosophische Praxis mit der Literatur zur Philosophischen Praxis bekanntmachen.

2. Praktische Philosophie im Blick auf Beratungsbelange


a.   Teil des Weiterbildungsganges Philosophische Praxis ist die praktische Philosophie / Ethik, wobei – im Vergleich zum üblichen Philosophie-Studium – andere Thematiken und Probleme philosophisch gewürdigt werden. Die Nennung einiger „Titel”, die uns im Verlauf der Ausbildung beschäftigen werden, soll andeuten, welche Art Fragen nunmehr philosophiepraktisch belangvoll werden.
Etwa: „Über das Ethos des Sprechens und Hörens”, „Wie der Gast der Philosophischen Praxis angesehen wird”, „Ethos der Menschenkenntnis und des Umgangs”, „Was es heißt, ›im anderen bei sich selbst zu sein‹”, „Leiden und Trost”, „Ausweglosigkeit und Zuversicht”, „Hoffnung, Lebensmut, Vertrauen”, „Vom Geist der Verzeihung”, „Annehmen oder Erleiden”, „Scheu vor Menschen”, „Die Liebe und ihre Kollisionen”, „Scheiternde Lebensläufe”, „Über die Heillosigkeit, die darin liegen kann, daß ein Mensch darauf beharrt, sich selbst ›moralisch‹ anzusehen”, „Von der Schamlosigkeit, die darin liegt, daß einer seiner Scham sich schämt und davon loskommen möchte”, „Über Unduldsamkeit”, „Über die Versuchung des Belehrens”, „Über die Anmaßung, Menschen ändern (›bessern‹) zu wollen”, „Ethos als Haltung”, „Was eine Orientierung sein könnte”, „Der Sinn von Sinnfragen”, „Geschlechterkonfusion”, „Philosophie der Lebensalter”, „Einsamkeit”, „Trauer und Melancholie”, „Fragmentarisches und erfülltes Leben”, „Kontinuitäten, Umwege, Brüche”, „Versuchungen, Verführungen, Schwächen”, „Die Masken der Laster”, „Fügung oder Zufall”, „Mutlosigkeit”, „Tragische, komische und traurige Geschichten”, „Formen religiöser Verwahrlosung”, „Wachsein oder Verludern” usw. usf.

b.   Ein weiterer Teil des Weiterbildungsganges Philosophische Praxis wird eine erneuerte Lehre der philosophischen Vermögen sein. Auch hier nur Titel höchst ungleichen Umfangs, die andeuten, worauf die Aufmerksamkeit gelenkt werden wird: „Verstehen”, „Lebenskönnerschaft”, „Menschenkenntnis”, „Erfahrung”, „Einfühlung”, „Vertrauen”, „Respekt”, „Tugenden”, „Humor”, „Heiterkeit” u. a.


3. Die Ordnungen der Philosophischen Praxis


Ein eigenständiger Bereich des Weiterbildungsganges wird den Ordnungen der Philosophischen Praxis gewidmet sein. Themen sind hier u. a.: „Die Zeit als Bedingung des Gesprächs”, „Der Raum als Ambiente des Gesprächs”, „Atmosphärisches als Arrangeur der Gedanken”, „Die Stimmung als Animateur fälliger Einsicht”, „Verpflichtungen”, „Wofür wir haften” usw..


4. Philosophie des Gesprächs


Besonderes Gewicht wird die Weiterbildung zum philosophischen Praktiker auf die Philosophie des Gesprächs legen. Themen sind hier etwa: „Erneuerungen der Rhetorik”, „Was hieße ›Gesprächstechnik‹?”, „Bestimmend ist das ›Ethos des Gesprächs‹”, „Inwiefern die Antwort auf ein Gefühl (eine Geste) ein Gefühl (eine Geste) ist”, „Zur Entwicklung des Verständnisses im Gespräch”, „Wie Gedanken im Gespräch in Fluß geraten und sich entfalten”, „Konsens, Dissens und die gewöhnliche Unbrauchbarkeit von Argumenten”, „Überraschen, Überzeugen, Verführen, Verwickeln”, „Das Gewicht der Erzählung”, „Die Kraft des Beispiels” usw.


5. Rechenschaft und bedachtes Ziel


Die Teilnehmer am Weiterbildungsseminar werden dazu angehalten, über die Ziele der Philosophischen Praxis zu reflektieren. Themen: „Das Ziel der Philosophischen Praxis sind Klärung und Aufklärung”, „Gewinn von Orientierungen”, „Versöhnung”, „Anerkennung”, „Neuanfang und Entschluß”, „Wieviel Beachtung den Interessen des Gastes der Philosophischen Praxis zukommt” usw.

6. Reflektierte Praxis


a. Im praktischen Teil der Weiterbildung (im engeren Sinn) werden Analysen einzelner Beratungen und anschließende Übungen eine herausragende Rolle spielen. Um hier wiederum mit Themen anzudeuten, wie in diesem Teil des Seminars auf besondere Fragen aufmerksam gemacht werden wird, seien genannt: „Ein Gast und seine Sorgen”, „Ein zweiter Gast und seine Ängste”, „Ein dritter Gast und seine Hoffnungslosigkeiten”, „Ein vierter Gast und seine Unsicherheiten”, „Ein fünfter Gast und seine Entzweiung mit der Welt”, „Ein sechster Gast und seine Wut und seine Verbitterung”, „Ein siebter Gast und seine Enttäuschungen” usw.

b. Nicht zuletzt werden Supervisionen integraler Bestandteil der Weiterbildung zum philosophischen Praktiker sein.

c. Fakultativ kann eine frei vereinbarte Lehrpraxis die Weiterbildung ergänzen.

Umfang / Dauer der Weiterbildung



Der Grundkurs umfaßt jährlich je vier zweitägige (Samstag/Sonntag) sowie zwei siebentägige Seminare mit einem Gesamtumfang von 332 Seminarstunden. (Wochenende: Sa. 9:30 - So. 13:00 Uhr; Wochenblöcke: Beginn 18:30 am 1.Tag, Ende um 12:30 Uhr am 7. Tag.)

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